+++ Anfrage RN zur Schliessung des Hallenbads +++

Am 16. Januar 2026 erreichte mich gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen eine kurzfristige schriftliche Anfrage der Ruhr Nachrichten. Hintergrund ist die Mitteilung der Stadt Selm, dass der Betreiber des Hallenbades den bestehenden Nutzungsvertrag zum 15. April 2026 gekündigt hat. Damit entfällt ab diesem Zeitpunkt die Nutzung des Hallenbades für Schulen und Vereine.

Die Redaktion bat um eine Einordnung dieses Schrittes sowie um eine Einschätzung, welche Maßnahmen nun erforderlich sind, um Schwimmunterricht und Schwimmausbildung weiterhin zu ermöglichen.

Um Transparenz zu gewährleisten, dokumentieren wir nachfolgend sowohl die Anfrage der Redaktion als auch unsere vollständige, unveränderte Antwort.


Anfrage der Ruhr Nachrichten

Guten Tag, Herr A. und Herr B., 

die Stadt hat heute mitgeteilt, dass der Hallenbad-Betreiber den Nutzungsvertrag mit der Stadt Selm zum 15. April gekündigt hat. Damit können Schulen und Vereine ab diesem Zeitpunkt nicht mehr im Hallenbad Selm schwimmen.

Wie kommentieren Sie diesen Schritt und was muss aus Ihrer Sicht jetzt geschehen, damit Schwimmunterricht und -ausbildung für Schulen und Vereine wieder möglich wird?

Ich würde mich über Antworten am liebsten bis zum morgigen Freitag, 16. Januar, um 14 Uhr freuen.

Mit freundlichem Gruß


✅ Unsere vollständige Antwort

Die Kündigung des Nutzungsvertrages für das Hallenbad in Selm ist ein schwerer Einschnitt für Schulen, Vereine und insbesondere für Kinder. Ab Mitte April 2026 fällt die einzige verlässliche Schwimmmöglichkeit vor Ort weg. Dabei geht es nicht um Komfort, sondern um Sicherheit, Bildung und Chancengleichheit.

Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Die Gespräche mit dem Betreiber liefen seit längerer Zeit. Immer wieder wurden technische Defekte, ein erheblicher Investitionsbedarf und die schwierige wirtschaftliche Situation angesprochen. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass der Betreiber den Betrieb unter diesen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich fortführen kann. Schuldzuweisungen helfen an dieser Stelle nicht weiter.

Umso wichtiger ist nun der Blick auf politische Prioritäten. In der letzten Ratssitzung wurden Projektskizzen im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beschlossen. Dieses Programm eröffnet erhebliche Fördermöglichkeiten. Die mögliche Bundesförderung bewegt sich in einem Rahmen von mindestens 250.000 Euro bis zu maximal 8 Millionen Euro. Bei nachgewiesener kommunaler Haushaltsnotlage kann sich der Bund mit bis zu 75 Prozent an den Kosten beteiligen.

Auf Nachfrage wurde erklärt, dass das Hallenbad nicht berücksichtigt worden sei, weil es nicht im Eigentum der Stadt steht. Dabei ist eine Teilnahme an dem Programm ausdrücklich auch dann möglich, wenn sich Sportstätten im Eigentum Dritter befinden. Gerade vor dem Hintergrund der extrem angespannten Haushaltslage und der zentralen Bedeutung des Schul- und Vereinsschwimmens wäre es aus unserer Sicht notwendig gewesen, zumindest zu prüfen, ob auch für das Hallenbad entsprechende Förderoptionen hätten eröffnet werden können.

Hinzu kommt, dass die Frist zur Einreichung der Projektskizzen am 15. Januar endete. Damit ist diese konkrete Fördermöglichkeit für das Hallenbad aktuell verstrichen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum andere Projekte höher priorisiert wurden, obwohl das Hallenbad eine zentrale Rolle für den Schul- und Vereinssport spielt.

Kurzfristig muss nun alles darangesetzt werden, Übergangslösungen zu finden, damit Schwimmunterricht und Schwimmausbildung zumindest teilweise weiter stattfinden können, auch wenn dies mit organisatorischem Aufwand verbunden ist. Gleichzeitig darf es nicht bei Provisorien bleiben.

Dabei muss offen ausgesprochen werden, dass die finanzielle Lage der Stadt extrem angespannt ist. Die angekündigte Altschuldenentlastung durch das Land ist wichtig, sie hilft jedoch für aktuelle Entscheidungen rund um den Hallenbadbetrieb faktisch nicht weiter. Gerade deshalb sind jetzt klare politische Prioritäten und tragfähige Mehrheiten erforderlich, wenn Schul- und Vereinsschwimmen dauerhaft gesichert werden soll.

Unser Anspruch bleibt, Schwimmen für Schulen und Vereine in Selm langfristig zu ermöglichen. Dafür braucht es ehrliche Entscheidungen und die konsequente Prüfung aller verfügbaren Fördermöglichkeiten.

 

In der Berichterstattung wurde unsere Stellungnahme stark zusammengefasst. Zentrale Aussagen wurden aufgegriffen, ausführlichere Begründungen und zeitliche Zusammenhänge jedoch nicht dargestellt. Deshalb veröffentlichen wir hier die Anfrage der Redaktion sowie unsere vollständige Antwort im Wortlaut, um unsere Position transparent und im Zusammenhang nachvollziehbar zu machen.

Hier geht es zum Artikel der Ruhr Nachrichten: 

https://www.ruhrnachrichten.de/selm/aus-fuer-schwimmtraining-und-unterricht-politik-fordert-selm-braucht-ein-hallenbad-w1138659-2001941658/